Bild: Evline Häring - Wer ist Nantha (Abschlussarbeit BM Gestaltung & Kunst 2026)
Die Abteilung AVK vereint eine breite Palette an Bildungsangeboten für Lernende mit besonderen Bedürfnissen. Steigende Anforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen haben den Bedarf an niederschwelligen Angeboten in den letzten Jahren deutlich erhöht. Mit der Einführung einer agilen Arbeitsorganisation in der Abteilungsleitung stärkt die AVK ihre Flexibilität und reagiert gezielt auf diese Dynamik – getragen von klaren Strukturen, geteilter Verantwortung und einer gemeinsamen Haltung.
Die Abteilungsleitung bezeichnet die Abteilung AVK bei Vorstellungen manchmal augenzwinkernd als «Gemischtwarenladen» der gibb. Während die gibb insgesamt einem Einkaufszentrum mit unterschiedlichen Fachgeschäften gleicht, vereint die AVK eine besonders breite Palette an Bildungsangeboten unter einem Dach: zweijährige Grundbildungen in 13 Berufen, die IV-begleitete praktische Ausbildung (PrA) nach INSOS, die Vorlehre im dualen Setting, das vollschulische Brückenangebot BPI sowie Stütz- und Freikurse für Lernende aus allen Abteilungen.
Gemeinsam ist all diesen Angeboten die Ausrichtung auf Lernende mit besonderen Bedürfnissen. Sie bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit – von kognitiven oder sozialen Vorbelastungen über Migrationsgeschichten bis hin zu herausfordernden Lebenssituationen. Gleichzeitig verfügen sie über vielfältige Potenziale, die es im Hinblick auf ihre individuellen Lebenswege und die Gesellschaft gezielt zu fördern gilt. Diese Aufgabe bildet den Kern des Auftrags der Abteilung AVK.
In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach niederschwelligen Angeboten deutlich gestiegen. Dies zeigt sich unter anderem in der Zunahme von Umwandlungen von Lehrverträgen sowie im Aufbau neuer Formate. Ursachen dafür lassen sich in steigenden und komplexeren Anforderungen an Lernende sowie in migrationsbedingten Entwicklungen, etwa im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg, vermuten bzw. benennen. In diesem Kontext wurde das vollschulische Berufsvorbereitende Schuljahr Praxis und Integration (BPI) neu aufgebaut, welches die bisherigen Strukturen der AVK stark beanspruchte. Dabei wurde deutlich: Wo Vielfalt auf schnellen Wandel trifft, braucht es neue Führungsmodelle.
Der Weg zur agilen Arbeitsorganisation
Die Einführung dieses dynamischen Angebots sowie die Integration von rund dreissig neuen Lehrpersonen innert kurzer Zeit führten zu einer erheblichen Mehrbelastung der Abteilungsleitung. Gleichzeitig kam es zu personellen Veränderungen. Die Funktion der stellvertretenden Abteilungsleitung wurde deshalb als Co-Leitung neu definiert und war mit einer grundlegenden Neuverteilung der Aufgaben verbunden. Dies bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung einer agilen Arbeitsorganisation.
Mit der neuen Zusammensetzung der Leitung wurden unterschiedliche Kompetenzen gezielt gebündelt. Die Abteilungsleitenden ergänzen sich durch unterschiedliche fachliche Schwerpunkte und teilen das gemeinsame Ziel, die AVK im Interesse der Lernenden weiterzuentwickeln. Die Zusammenarbeit basiert auf offener und transparenter Kommunikation, in der unterschiedliche Perspektiven erwünscht sind und bewusst Raum erhalten. Eine externe Begleitung in Form eines Coachings unterstützte diesen Prozess. Sie half, Haltungen zu klären, Strukturen zu reflektieren und neue Lösungsansätze zu entwickeln.
Organisatorisch wurde die Leitung in eine Kreisstruktur überführt. Aufgaben und Ressourcen werden entsprechend den Stellenprozenten verteilt. Grundlage dafür bildete eine systematische Klärung aller Aufgabenbereiche. Für komplexe Felder wie das BPI oder den Berufskundeunterricht tragen jeweils zwei Personen gemeinsam Verantwortung, wodurch unterschiedliche Perspektiven einfliessen. Gleichzeitig sind die Zuständigkeiten klar geregelt: Ansprechpersonen sind definiert, Verantwortlichkeiten eindeutig zugeordnet und Entscheidungswege transparent. Dies wurde auch im neuen Organigramm sichtbar gemacht, welches die bisherige hierarchische Darstellung ablöste.
Vorteile der agilen Arbeitsorganisation
Die agile Arbeitsorganisation bringt mehrere Vorteile mit sich. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und gewinnen dadurch an Qualität. Fachliche und pädagogische Diskussionen treten stärker in den Vordergrund und werden als bereichernd erlebt. Die Abteilung reagiert insgesamt flexibler auf Veränderungen, und Aufgaben können bei Bedarf unkompliziert umverteilt werden. Der befürchtete Mehraufwand durch zusätzliche Abstimmungen hat sich dabei als gering erwiesen, im Gegenteil, Abstimmungen unterstützen die Haltungsfindung und führen zu einem Mehrwert.
Herausforderungen der agilen Arbeitsorganisation
Gleichzeitig stellt diese Arbeitsweise Anforderungen an alle Beteiligten. Eine gemeinsame pädagogische Grundhaltung und ein geteiltes Verständnis von Zusammenarbeit sind zentrale Voraussetzungen. Rollen und Aufgaben werden vierteljährlich reflektiert und angepasst. Offene Kommunikation bleibt dabei essenziell und erfordert Zeit, Engagement, Transparenz und gegenseitiges Vertrauen.
Insgesamt hat sich die agile Arbeitsorganisation in der AVK als tragfähiges Modell bewährt. Sie ermöglicht es, der wachsenden Vielfalt der Angebote und den steigenden Anforderungen flexibel zu begegnen und die Abteilung zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.
Testimonials

Eva Strickler
Stellvertretende Abteilungsleiterin AVK
«Wo Vielfalt auf schnellen Wandel trifft, braucht es neue Führungsmodelle.»

