Bild: Leonie Fasel – In Stein gemeisselt. (Abschlussarbeit BM Gestaltung & Kunst 2026)
Nach mehreren Jahren Planung startete 2025 die erste Blended-Learning-BM2-Pilotklasse. Ziel war es, Erfahrungen aus dem Fernunterricht in ein flexibles, zeitgemässes Bildungsangebot zu überführen. Lehrpersonen entwickelten dafür neue digitale Lernformate und verzahnten diese gezielt mit Präsenzphasen. Die Evaluation zeigt: Das Modell funktioniert und bietet Potenzial für die Zukunft.
Prämisse
Was lange währt, wird endlich gut. Im August 2020 haben wir das Projekt einer Blended-Learning-BM2-Klasse während der Klausurtagung dem Kollegium vorgestellt. Nachdem wir etliche Hürden überwunden haben, konnten wir im August 2025 mit 15 Lernenden die Pilotklasse starten.
Warum eine Blended-Learning-Klasse? Wir wollten die Erfahrungen aus dem Fernunterricht während der Corona-Pandemie in ein innovatives und reguläres Angebot für Lernende einbauen, die sich eine hohe Flexibilität wünschen, zeit- und ortsunabhängiges Lernen schätzen und über eine hohe Selbstorganisation verfügen.
Sicht der Lehrpersonen
Die Lehrpersonen haben sich über mehrere Semester intensiv mit der Abstimmung von Präsenzunterricht und Distance-Learning-Sequenzen auseinandergesetzt und ihren Unterricht entsprechend angepasst. Es wurden Ilias-Lernmodule erstellt, sämtliches Unterrichtsmaterial elektronisch bereitgestellt, Videos erstellt oder vertont und Aufträge so umformuliert, dass sie im Distance Learning bearbeitet werden können. Es wurde darauf geachtet, dass die Inhalte entsprechend verzahnt werden, kollaborative Elemente nicht zu kurz kommen und die Begleitung der Lernenden während der Distance-Learning-Sequenzen gewährleistet ist. Dazu gehören klar definierte Zeitfenster, in denen die Lehrpersonen für Videocalls zur Verfügung stehen, individuelle Übungsanlagen über MS Teams und persönliche Rückmeldungen zu eingereichten Aufträgen.
Ein zentraler Unterschied zum herkömmlichen Unterricht liegt im deutlich erhöhten Initialaufwand: Die Erstellung von strukturierten, selbsterklärenden Materialien sowie digitalen Lernumgebungen erforderte erheblich mehr Zeit. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich dieser Aufwand in den Folgejahren reduziert. Die Nachbereitung umfasst verstärkt individuelle Rückmeldungen und Korrekturen, was den Betreuungsaufwand erhöht, aber auch einen differenzierteren Einblick in den Lernstand ermöglicht.
Die Möglichkeit der Lernenden, im eigenen Tempo zu arbeiten, wurde von den Lehrpersonen mehrheitlich positiv bewertet, insbesondere im Hinblick auf heterogene Leistungsniveaus.
Die Abstimmung zwischen Präsenzunterricht und Distance Learning gelang insgesamt gut: Präsenzphasen wurden gezielt für Einführungen, Vertiefungen, kollaborative Lernformen und Klärung von Fragen genutzt, während im Distance-Learning vor allem Theorieerarbeitung und individuelle Übungen stattfanden.
Kollaboratives Lernen wurde vorwiegend im Präsenzunterricht umgesetzt, während es im Distance-Learning eher selektiv stattfand. Als Entwicklungspotenzial werden insbesondere eine noch klarere Strukturierung der Aufträge, eine Optimierung der digitalen Lernumgebungen sowie ein verstärkter fachübergreifender Austausch genannt.
Insgesamt wird der Lehrgang als erfolgreiches und zukunftsfähiges Modell eingeschätzt, dessen Weiterführung und Ausweitung von den Lehrpersonen ausdrücklich befürwortet wird.
Sicht der Lernenden
Die Evaluation der Blended-Learning-Klasse durch die Lernenden zeigt ein überwiegend positives Bild. Die vorhandenen technischen Kompetenzen ermöglichten einen guten Einstieg und der Übergang in die BM2 wurde mehrheitlich als eher leicht wahrgenommen. Der Lehrgang wird als insgesamt gut organisiert beurteilt, gleichzeitig empfehlen die Lernenden, am Anfang des Schuljahres mehr Zeit zu investieren, damit gut verstanden wird, wie die einzelnen Fächer strukturiert sind und wo die Unterlagen und Aufträge zu finden und abzugeben sind.
Besonders geschätzt werden die Flexibilität des Blended Learning und die Möglichkeit, im eigenen Tempo zu arbeiten. Die Selbstorganisation gelingt mehrheitlich gut, auch wenn sie individuelle Herausforderungen mit sich bringt. Vor- und Nachbearbeitung der Lerninhalte erfolgen überwiegend zuverlässig. Die Abstimmung zwischen Präsenzunterricht und Distance Learning wird insgesamt positiv wahrgenommen. Der Austausch unter den Studierenden ist möglich, während Gruppenarbeiten im Blended-Learning-Setting teilweise als organisatorisch schwierig empfunden werden. Als zentrale Verbesserungspotenziale werden insbesondere genannt: eine bessere Abstimmung von Prüfungsterminen, klarere und einheitlichere Strukturen, eine frühzeitigere Bereitstellung von Materialien sowie eine Optimierung der Lernplattformen und der Auftragsgestaltung.
Insgesamt bestätigt die Evaluation die Stärken des Lehrgangs, zeigt jedoch gleichzeitig auf, dass durch noch mehr Standardisierung und Koordination eine weitere Qualitätssteigerung möglich ist.
Ausblick
Per Ende Juli schliessen wir das Projekt «BM2 Blended Learning» ab und geben es in den regulären Betrieb. Es freut uns sehr, dass die Rückmeldungen positiv sind und wir per August 2026 mit einer neuen Klasse starten können.
Geplant ist ein neues Projekt ab Schuljahr 2026/2027. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob eine Ausweitung auf weitere Klassen (BM2 Teilzeit, BM1 und Erweiterte Allgemeinbildung) möglich ist.
Videomaterial
Wer sich für die Meinung der Lernenden interessiert oder wissen will, wie ein Tag in ihrem Leben aussieht, findet auf der Homepage der gibb die entsprechenden Videos.
Testimonials

Giuseppina Renna & Pascal Willfratt
Projektleitung & Co-Abteilungsleitung
«Blended Learning bietet flexible, zukunftsfähige Bildung.»
