Wenn Lernende zu Künstler:innen werden –
zwei Wettbewerbe, eine Botschaft

Bild: Michelle Fueg – Inneres. (Abschlussarbeit BM Gestaltung & Kunst 2026)


Im Berichtsjahr stellten Lernende der Abteilung Bauberufe an der gibb eindrücklich unter Beweis, was in ihnen steckt: Mit dem Spengler-Kreativwettbewerb 2026 und dem BSDS-Trinkflaschenwettbewerb der Malerinnen und Maler traten zwei Berufsgruppen an die Öffentlichkeit – jede auf ihrer eigenen Bühne, beide mit Werken, die handwerkliche Präzision und gestalterischen Mut vereinten. Dass Berufsbildung weit mehr ist als das Erlernen technischer Abläufe, wurde in beiden Projekten sichtbar. Ein Rückblick auf zwei Höhepunkte aus dem vergangenen Schuljahr.

Ausgangslage: Wettbewerbe als integraler Bestandteil der Ausbildung

Sowohl im Spengler- als auch im Malerberuf gehörten Wettbewerbe im Berichtsjahr fest zum Ausbildungsprogramm. Die Lernenden der Klasse SPE2023a stellten sich dem Kreativwettbewerb 2026 zum Spenglertag unter dem Motto «Blickfänge der Baukunst». Die angehenden Malerinnen und Maler EFZ und EBA aller Lehrjahre traten beim BSDS-Wettbewerb des SMGV Bildungszentrums Bern an, dieses Jahr unter dem Motto «Ornamentik» – gestaltet wurde eine vollflächig bemalte Trinkflasche in Marmor- oder Steinoptik mit umlaufendem Bandornament.

Beide Wettbewerbe waren obligatorische Bestandteile der Lehre und verlangten den Lernenden mehr ab als reines Handwerk: Gefragt waren Eigenständigkeit, gestalterischer Ausdruck und Durchhaltewille.


Aufgabenstellungen: klare Vorgaben, grosser Freiraum

Bei den Spenglerinnen und Spenglern galt es, ein Kunstobjekt zum Thema «Blickfänge der Baukunst» zu entwickeln und über mehrere Monate hinweg umzusetzen. Bei den Malerinnen und Malern stand die Trinkflasche als gestalterisches Objekt im Zentrum – mit präzisen technischen Vorgaben zu Untergrundvorbereitung, Grundierung, Applikationstechnik und Schlusslackierung. In beiden Fällen war der gestalterische Spielraum bewusst gross gehalten: Material, Motiv und Technik durften frei gewählt werden.


Kooperationen: Schule, Branche und Lehrbetriebe Hand in Hand

Die Wettbewerbe lebten von einer engen Zusammenarbeit zwischen Schule, Berufsverbänden und Lehrbetrieben. Beim Spengler-Kreativwettbewerb arbeiteten sechs Berufsfachschulen der Deutschschweiz zusammen mit der OdA Spengler und dem Hauptsponsor Debrunner Acifer auf den Spenglertag im Kursaal Bern hin. Die fachliche Bewertung erfolgte durch eine internationale Jury mit Persönlichkeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – darunter mit William Zahler ein gibb-Lehrabgänger und Europameister. Die interdisziplinäre Verknüpfung mit dem ABU, in dem die Lernenden den Entstehungsprozess dokumentierten, machte das Projekt zu einem ganzheitlichen Lernerlebnis.

Auch beim BSDS-Wettbewerb war die Verzahnung mit dem Lehrbetrieb zentral: Die Lernenden setzten ihre Objekte teils im Betrieb um, nutzten Infrastruktur und Fachwissen ihrer Vorgesetzten und dokumentierten jeden Arbeitsschritt in einer eigens zu verfassenden Lerndokumentation, die von den Lehrpersonen bewertet wurde.

Herausforderungen: vom weissen Blatt zum fertigen Werk

Die grösste Herausforderung lag in beiden Projekten im Prozess selbst: Aus einer Idee musste über Wochen hinweg ein Werk entstehen, das fachlich überzeugt und gestalterisch besteht. Die Spenglerlernenden mussten Materialwahl, Konstruktion und Detailverarbeitung in Einklang bringen – die Malerinnen und Maler bewegten sich zwischen Marmoriertechnik, Airbrush, Schablonenarbeit und Schlagmetall-Applikationen. Rückschläge, Versuche und Korrekturen gehörten zum Alltag.

Bei den Spenglerinnen und Spenglern fand am 4. Februar 2026 zunächst eine schulinterne Vorausscheidung statt: 19 Bewertungsteams aus Lernenden, Ausbildnerinnen und Eltern kürten die drei besten Objekte, die anschliessend am Spenglertag gegen 16 Konkurrenzwerke aus der ganzen Deutschschweiz antraten. Mit Dominik Jung und seinem «Verdrehten Rinnenkasten» erreichte die gibb den hervorragenden 2. Platz – ein schöner Erfolg für die Klasse SPE2023a und ihren Lehrbetrieb BHS Gebäudeschutz GmbH.


Fazit

Beide Wettbewerbe haben gezeigt, wie viel Potenzial in der dualen Berufsbildung steckt, wenn Lernende den Raum erhalten, eigene Werke zu schaffen. Die Verbindung von handwerklichem Können, gestalterischer Freiheit und reflektierter Dokumentation prägt junge Berufsleute, die ihr Fach mit Leidenschaft und Stolz vertreten – und die Berufsbildung von morgen mitgestalten.

Vom weissen Blatt zum fertigen Werk

BSDS 2026
Trinkflasche in Steinoptik und Bandornament

Spengler: Auswahl der drei besten Objekte der gibb

1. Rang

2. Rang

3. Rang

Die Sieger 2026

Die Kreativität und handwerkliche Qualität der Werke war beeindruckend und der Wettkampf gestaltete sich sehr ausgeglichen. Schliesslich wurden folgende Kunstwerke in die Top 3 gewählt: 

1. Platz: Livio Dux – «Kunst am Bau(m)»

2. Platz: Dominik Jung – «Verdrehter Rinnenkasten»

3. Platz: Madeleine Brülisauer – «Taj Mahal»

Testimonials

André Knuchel, Marina Schneider, Marc Aebersold

«Wie viel Potenzial in der dualen Berufsbildung steckt, zeigt sich, wenn Lernende den Raum erhalten, eigene Werke zu gestalten.»