
Bildungsmarketing im Wandel – warum Schulen heute anders kommunizieren müssen
Bild: Ava Hidalgo – Verschmelzung. (Abschlussarbeit BM Gestaltung & Kunst 2026)
Schulen stehen vor der Herausforderung, ihren Bildungsauftrag und die Sichtbarkeit im Wettbewerb zu vereinen. Bildungsmarketing wird dabei zum strategischen Instrument, um Vertrauen zu schaffen, Nachwuchs zu gewinnen und Bildung authentisch, relevant und zukunftsfähig zu positionieren.
Auch die gibb Berufsfachschule Bern sieht sich heute mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert: Sie muss ihren Bildungsauftrag erfolgreich erfüllen und gleichzeitig in einem zunehmend kompetitiven Umfeld Sichtbarkeit gewinnen und halten. Bildungsmarketing ist deshalb längst kein Nebenschauplatz mehr, sondern ein strategisches Instrument, um Vertrauen aufzubauen, Nachwuchs zu gewinnen und die Zukunft ganzer Branchen in Zusammenarbeit mit dem Umfeld nachhaltig zu stärken. Bildungseinrichtungen benötigen Marketing nicht, um Bildung zu «verkaufen», sondern um ihre Werte, Angebote und Stärken sichtbar zu machen. Ziel ist es, die richtigen Zielgruppen zu erreichen, langfristige Beziehungen aufzubauen und die Bedeutung der vermittelten Berufe verständlich und attraktiv zu kommunizieren. Dabei richtet sich der Fokus nicht nur auf Lernende, sondern zunehmend auch auf qualifizierte Lehrpersonen, welche für die Qualität einer Schule entscheidend sind. Die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Lernende greifen heute auf eine Vielzahl unterschiedlicher Informationsquellen zurück. Sie recherchieren, tauschen sich intensiv untereinander aus und formulieren höhere Erwartungen an ihre Ausbildung. Gleichzeitig gewinnt die Reputation einer Schule immer stärker an Bedeutung. Empfehlungen, Erfahrungsberichte und digitale Präsenz beeinflussen Bildungsentscheidungen oft stärker als klassische Werbemassnahmen. Junge Menschen reagieren sensibilisiert auf Werbeslogans und Versprechungen. Wettbewerb und Wahlfreiheit nehmen zu und damit auch die Notwendigkeit einer klaren Positionierung. Besonders spannend ist dabei die Frage nach der Motivation, eine Aus- oder Weiterbildung anzustreben. Lernende bewegen sich heute in einem Spannungsfeld zwischen sinnvoller und sinnstiftender Bildung. Während gesellschaftliche Erwartungen und Leistungsdruck häufig eine möglichst verwertbare Ausbildung fördern, entsteht echte Motivation oft aus dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und persönlicher Entwicklung. Die zentrale Herausforderung besteht darin, eine Balance zu finden zwischen was man werden sollte, um dem Arbeitsmarkt gerecht zu werden bzw. was der Markt sich wünscht und dem, was man werden möchte. Verändert sich das Warum der Bildung, verändert sich auch das Wie der Informationssuche. Neben klassischen Kommunikationsmassnahmen rücken deshalb digitale Kanäle und insbesondere Social Media immer stärker in den Mittelpunkt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Werbung. Interessant ist vielmehr die Frage: Was erzählt Social Media über unsere Schule und was nicht?
Mehr Authentizität, weniger Werbetexte
Romeo und Julia an der gibb
Authentische Einblicke hinter die Kulissen gewinnen an Bedeutung. Lernende möchten sehen, wie der Unterricht, praxisorientierte Projekte und ihr Schulalltag tatsächlich aussehen. Formate wie «Behind the Scenes» schaffen Authentizität, Nähe und Glaubwürdigkeit. Ebenso spannend sind generationenübergreifende Perspektiven. Wenn Lernende, Lehrpersonen und Branchenvertretungen dieselben Fragen beantworten, entstehen wertvolle Einblicke in unterschiedliche Erwartungen und Sichtweisen. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Sichtbarkeit einer Schule. Marketing umfasst heute weit mehr als Broschüren, Messen oder Informationsveranstaltungen. Websites, Suchmaschinen, Social-Media-Plattformen, Videos, Events, Newsletter und persönliche Begegnungen bilden ein vernetztes und komplexes Kommunikationssystem. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Kanäle, sondern die Konsistenz der Botschaften. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Gespräche über Schulen finden längst nicht mehr nur auf offiziellen Kanälen statt. Nutzerbasierte Plattformen, Community-Seiten oder Diskussionsforen prägen das öffentliche Bild einer Institution mit. Auch Romeo und Julia sind betroffen.
Auf Formaten wie «gibb.spotted» auf Instagram werden private Beziehungen gefördert. Kritische Diskussionen auf Plattformen wie Google zeigen, wie Lernende über ihre Schule sprechen, welche Themen sie beschäftigen und welche Geschichten sie weitererzählen. Diese Stimmen ernst zu nehmen und in den Dialog einzubeziehen, wird zunehmend Teil moderner Bildungskommunikation. Die Zukunft des Bildungsmarketings liegt deshalb zwar immer noch, aber weniger im Senden von Botschaften als im Aufbau von Beziehungen. "Die grösste Wirkung erziehlt die gibb, wenn wir nicht über Lernende, sondern mit Lernenden kommunizieren", sagt Tim Binda, Social Media Manager der gibb. Wer Lernende und Studierende aktiv einbezieht, authentische Einblicke ermöglicht und den Austausch fördert, schafft Vertrauen und Relevanz. Zum 200-jährigen Jubiläum haben unsere Lernende den offiziellen Imagefilm der gibb selbst in die Hand genommen. Sie sind längst nicht nur Kundinnen und Kunden, sondern es sind Menschen, die bei Herausforderungen zeitnah Unterstützung fordern, sich willkommen fühlen wollen und Erwartungen transparent während jeder Tages- und Nachtzeit kommunizieren.
Wir handeln …
Die gibb Berufsfachschule Bern ermöglicht ihren Lernenden, sich aktiv einzubringen und die Schule mitzugestalten. Sie produzierten einen eigenen Imagefilm, wirkten bei Fotoshootings für die Bildwelt der gibb mit und gestalten kreative Memes für die Social-Media-Kanäle. Auch bei den Werbemitteln sind sie beteiligt. So stammt beispielsweise ein eigens entwickeltes Gewürz aus der Abteilung der jungen Köchinnen und Köche. Zudem können sie ihre Fähigkeiten an offiziellen Anlässen – wie unser 200-jähriges Jubiläum unter Beweis stellen und werden mit zusätzlichen Zertifikaten und praxisnahen Erfahrungen ausgezeichnet. Bildungsmarketing ist für die gibb heute unverzichtbar und gewinnt weiter an Bedeutung. Diese Disziplin ist längst nicht mehr auf gewinnorientierte Unternehmen beschränkt, sondern trägt auch für unsere Schule wesentlich zur Qualität, Attraktivität und Zukunftsfähigkeit bei.
Testimonials

Nicole Berner
«Nur wer Lernende und Studierende aktiv einbezieht, authentische Einblicke ermöglicht und für den Austausch offen ist und aktiv fördert, schafft Vertrauen und Relevanz.»


